| Wer
kennt nicht die Bilder der jubelnden und Fähnchen schwingenden Menge vor dem
Oberen Belvedere und die eines nicht weniger jubelnden Leopold Figl im Kreis
der Alliierten Außenminister auf dem Balkon des barocken Festsaals? Sie sind
fest im kollektiven Bewusstsein der Österreicher verankert. Was bedeuten
allerdings die so folgenschweren Worte „Österreich ist frei“ im Detail? Jubel
über die neugewonnene Freiheit einerseits, unterschiedlich motivierte Bedenken
über die politischen, wirtschaftlichen und sozialen Folgen andererseits. Die
alliierten Besatzungsmächte waren Teil des österreichischen Alltagslebens
geworden. Das Land war in Zonen geteilt, Wien in Sektoren. Sie waren
finanzielle Last, aber auch ein wichtiger Wirtschaftsfaktor, es gab
Verbrüderung, aber auch gewalttätige Übergriffe, ohne ihre Zustimmung gab es
keine politische Entscheidung, sie waren aber auch Garant für die Einheit
Österreichs und treibender Motor hinter der Entwicklung Österreichs zu einer
selbstbewussten Staatsnation.
Am
25. Oktober ist es so weit, der letzte alliierte Soldat verlässt offiziell österreichischen
Boden. Österreich befindet sich im Festtagstaumel. Eine Veranstaltung jagt die
nächste. Burgtheater und Staatsoper werden feierlich wiedereröffnet, die
Ringstraße wird zu einem einzigen Tanzparkett, die Wiener Wahrzeichen
erstrahlen in Festbeleuchtung, Feuerwerke erhellen den Nachthimmel, die letzten
Kriegsgefangenen kehren in die Heimat zurück. Mit dem Staatsvertrag verlässt
aber auch ein Stück Amerika, Großbritanniens, Frankreichs und Russlands das
Land. Aus Besatzern sind Freunde, Ehemänner, Väter geworden. Für viele
ist es ein Abschied für immer. Zurück bleiben gebrochene Herzen, Tränen und
tausende von heimatlosen Besatzungskindern.
Die
Führung versteht sich als ein Rückblick auf das Ende der Besatzungszeit
und die unmittelbaren Folgen für Wien und die Wiener, für das Stadtbild,
für die Wirtschaft, für den Einzelnen. Auf unserer Route zwischen Oberem
Belvedere und dem Heldenplatz besuchen wir Orte, die alliierte
Nachkriegsgeschichte geschrieben haben, wollen gleichzeitig aber auch mit Hilfe
von umfangreichem historischem Bildmaterial und Zeitzeugenberichten ein
Stimmungsbild des Jahres 1955 vermitteln. |